Arbeitszeugnis schreiben: Die häufigsten Fehler von Arbeitgebern

Geschrieben von Fabienne Zollinger | May 28, 2026 8:00:00 AM

Ein Arbeitszeugnis zu schreiben gehört für viele Führungskräfte zu den ungeliebten Pflichten – und genau deshalb passieren dabei häufig Fehler. Dabei steht einiges auf dem Spiel: Ein fehlerhaftes Zeugnis kann rechtliche Folgen haben und schadet im schlimmsten Fall dem Ruf des Unternehmens. Diese Fehler solltest du vermeiden.

Fehler 1: Das Wohlwollensgebot ignorieren

In der Schweiz muss ein Zeugnis wohlwollend formuliert sein und das berufliche Fortkommen fördern. Wer Kritik zu offen oder abwertend formuliert, riskiert eine Korrekturpflicht. Gleichzeitig darf das Zeugnis nicht unwahr sein – die Kunst liegt in der fairen, sachlichen Balance.

Fehler 2: Codes unbewusst falsch einsetzen

Viele Formulierungen tragen eine versteckte Bewertung. Wer die etablierte Zeugnissprache nicht kennt, schreibt ungewollt eine schlechtere Note, als gemeint ist – oder umgekehrt eine bessere. Das kleine «stets» oder die Steigerung von «voll» zu «vollst» entscheiden über eine ganze Notenstufe. Unbedachte Formulierungen führen zu Missverständnissen und Beanstandungen.

Fehler 3: Bausteine ohne Bezug zur Person

Standardvorlagen sind praktisch, werden aber zum Problem, wenn das ganze Zeugnis aus austauschbaren Floskeln besteht. Ein gutes Zeugnis benennt konkrete Aufgaben, Verantwortungsbereiche und Leistungen. Fehlt dieser individuelle Bezug, wirkt das Zeugnis lieblos – und das fällt auf die Firma zurück.

Fehler 4: Unvollständigkeit

Ein vollständiges qualifiziertes Zeugnis enthält bestimmte Elemente: Angaben zur Person und Funktion, Aufgaben, Leistungsbeurteilung, Verhalten sowie eine angemessene Schlussformel mit Dank und guten Wünschen. Fehlen Teile – etwa die Schlussformel –, wird das als versteckte Abwertung gelesen, selbst wenn das nicht beabsichtigt war.

Fehler 5: Das Zeugnis verschleppen

Arbeitnehmende haben Anspruch auf ein zeitgerechtes Zeugnis. Wer es verschleppt, blockiert unter Umständen die Stellensuche der austretenden Person und schafft unnötigen Konflikt. Ein klarer interner Prozess sorgt dafür, dass Zeugnisse rechtzeitig und in guter Qualität vorliegen.

Fazit

Ein gutes Arbeitszeugnis ist wahr, wohlwollend, vollständig und individuell. Es schützt das Unternehmen rechtlich und zeigt Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden – auch beim Abschied. Wenn Unsicherheit besteht, lohnt sich die Erstellung oder Prüfung durch einen Profi.

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Fabienne Zollinger — Betriebliche Mentorin mit eidg. Fachausweis und über 20 Jahren HR-Erfahrung. Sie begleitet Schweizer Unternehmen und Privatpersonen in Führung, Bewerbung, Arbeitszeugnissen und der Digitalisierung von HR-Prozessen.